Olivia

Olivia ist eines unserer Tiere, das wir in der vor- und nachösterlichen Zeit besonders hätscheln. Olivia ist ein Esel, den Jesus bekanntlich als Reittier auswählte, um Palmarum darauf in Jerusalem einzureiten. Seitdem sind Esel bei uns heiliger als die Kühe in Indien, und auf unsere Olivia fällt noch so viel Auserwähltheit ab, dass ihr pferdeähnlicher Schweif und ihr pechschwarzes Fell nicht viel ausmachen. Denn genau genommen ist unsere Olivia ein Muli, ein Maultier, eine Kreuzung aus Eselshengst und Pferdestute. Diesen Palmsonntag und über Ostern haben wir Olivia noch in Ruhe gelassen, aber ab 2003 ist sie fit für unsere Planung. Wir wollen mit Olivia ökumenischer Oster feiern denn je, und wie etliche (katholische) Gemeinden in Süddeutschland und Österreich unsere Pastoren und Pastorinnen einladen, auf Olivia und möglichen anderen Eseln des Umkreises zu reiten. Dies ist das bisher nur südliche und katholische Ritual: Wenn Katholiken feiern, prozessieren sie nach den Gottesdiensten. Wir Protestanten prozessieren nur vor Gericht. Und auf den Prozessionen von Palmsonntag bis in die nachösterliche Freudenzeit haben die für Feiern ohnehin begabten Südländer einen Esel in der Prozession mitgeführt. Das erhöhte die Sicherheit von Gottes Segen für Wiesen, Acker, Felder, Wälder (und wohl auch die Gemeindeverwaltungen). Auf dem Esel ritt - in Stellvertretung Christi - ein Ministrant oder ein Vertreter der Gemeinde. Das weitete die Sicherheit für Gottes Segen nochmals aus bis zur Garantie. Das war früher. In der Neuzeit waren die Esel das übrige Jahr zu nichts zu gebrauchen, und man ersetzte sie durch lebensgroße Abbilder aus Holz und auf vier Rädern. Die Ministranten bzw. Diener der Gemeinde ritten selbst nun auf Holzeseln, nachdem sie in ihrer Kindheit solche in klein hinter sich hergezogen hatten. Priester, Bürgermeister, Gläubige nahmen das alles sehr ernst, denn es war ein Ritual. Eben das, wovon ich finde, dass es uns fehlt. Wir werden ab 2003 unsere Olivia ausleihen. Um wieviel (noch) voller werden unsere Kirchen vor und zu Ostern, wenn die Geistlichkeit (oder alternativ Gemeindevertretungen) Eselreiten zu unserer aller Segen veranstalten! Wir werden Olivia zunächst beim Pastor in Hanstedt für seinen Kirchenvorstand anbieten. Dann in Ebstorf wird der Eselsritt viel moderner als bei den Katholiken, weil dort eine Pastorin das Reiten managen könnte. Ggf. leihen wir Olivia auch nach Uelzen aus, um unserem Propst das Ritual zu ermöglichen. Der jetzige Propst reitet vielleicht selbst, weil er eine besondere Affinität zur Landwirtschaft mit ins Amt brachte? Wie auch immer: Dieses Ritual wäre bibeltreuer als jenes, wo sich Pastoren an ihrem Kirchturm abseilen. Und Olivia würde ihrer Pflicht, ein heiliges Tier zu sein, nachkommen, und wir würden es den Südländern zeigen: Wir hier im Norden: Wir lassen wieder auf lebendigem Esel reiten. Und hätten noch mehr Segen auf unseren Feldern und damit Rüben und Kartoffeln und Verwaltungen! 02. April 2002